Ende vom HW5 – Ab nach Österreich

Mittlerweile bin ich einige Zeit unterwegs und nähere ich mich langsam, aber sicher dem Ende des HW5. In den letzten Tagen konnte ich bereits die Alpen erblicken und nun geht es weiter zum höchsten Gipfel des ehemaligen Königreichs Württemberg – dem Schwarze Grat.

Tag 8 – Gospoldshofen bis Schwarzer Grat – 30.07.2026

Heute Nacht hatte ich wieder gut geschlafen. Als ich aufwache geht gerade vor mir die Sonne auf, wodurch ich noch einige Minuten liegen bleibe und mir den Sonnenaufgang betrachte. Dann packe ich auch schon wieder alles ein und bin 15 Minuten später auf dem Weg.

Zuerst geht es über eine Feldstraße durch kleine Siedlungen und ich treffe einige Büffel, welche mit ihren großen Hörnern deutlich interessanter aussehen als die normalen Kühe.

Es geht weiter unspektakuläre bis nach Leutkirch im Allgäu, wo ich um kurz vor 9 Uhr eintreffen und mir in einem Café ein Frühstück gönne. Rührei mit Speck und Käse. Perfekt für mich am Morgen.

In einem Supermarkt kaufe ich nochmals Essen für den Abend und mache mich dann auch schon wieder raus aus der Stadt, da ich vor der Hitze am Mittag – immerhin sind 35 Grad gemeldet – noch einige Kilometer machen möchte.

Zum Glück geht es auch heute wieder ab und an durch den Wald, wo mir das Wandern deutlich einfacher fällt als in der prallen Mittagssonne. Da eine leichte Prise geht, bleibt es aber alles in Allem erträglich. Ich mache viele Pausen und würde gerne irgendwo eine kalte Cola trinken, aber der Umweg zu einem Campingplatz an einem See ist mir zu weit und danach haben alle Geschäfte und Restaurants gerade Mittagspause und somit geschlossen.

Auch heute bin ich wieder die meiste Zeit mit Kapuze unterwegs, um mich vor der Sonne zu schützen.

Da ich keine Einkehr finden kann, lege ich mich einfach irgendwo auf eine Wiese in den Schatten von Bäumen und mache Siesta. Gerade als ich los möchte, werde ich ganz blöd, direkt unterhalb des Knöchels, von einer Wespe gestochen. Noch während der Fuß pocht, sammel ich schnell etwas Spitzwegerich, welcher bereits seit Jahrtausenden bei Stichen und Schnitten eingesetzt wird, von der Wiese und mache mir einen schnellen Notfallwickel. Anscheinend doch nicht ganz unnötig, dass ich zu Hause gerne Dokus zu allen möglichen Themen schaue und mir offensichtlich auch noch etwas davon merken kann.

Spitzwegerich als Heilmittel

Während ich mich heute morgen noch darüber gefreut hatte, dass ich endlich keine Schmerzen mehr von den Blasen an den Füßen habe, so schmerzt nun der Wespenstich bei jedem Schritt. Immerhin lässt es mit der Zeit etwas nach, wodurch ich trotzdem einigermaßen uneingeschränkt wandern kann.

Mit der Ankunft am Schloss Rimbach, welches leider in Privatbesitz und somit nicht zugänglich ist, habe ich noch immer kein Geschäft oder zumindest eine Wasserstelle gefunden.

Nun soll aber der lange Anstieg auf den schwarzen Grat folgen, wofür ich noch Wasser benötige. Ich schaue kurz auf der Karte und weiter oben sollte ein kleiner Bach fließen. Hoffentlich hat er um diese Jahreszeit auch noch Wasser, was nach den trockenen letzten Wochen nicht sehr realistisch erscheint. Trotzdem wandere ich los.

Bereits nach wenigen Kilometern komme ich durch eine Siedlung hindurch, wo es vor einem Haus eine Bank mit einem Wasserhahn daneben gibt, der zwar wenig, aber stetig Wasser liefert. Schnell fülle ich meine Reserven auf und trinke nochmals einen Liter auf ex, bevor ich mich an den weiteren Anstieg mache.

Trinkwasserbrunnen

Nachdem ich die Häuser hinter mir gelassen habe, bekomme ich keine Menschen mehr zu Gesicht. Ich wandere immer weiter durch Kuhweiden nach oben. Mit der Zeit wird es zwar anstrengender, aber der relativ sanfte Anstieg bleibt machbar.

Irgendwo mitten auf dem Grat mache ich nochmals an einer Bank Pause, bevor ich um 18 Uhr die letzten Kilometer für heute angehe.

Gegen 19 Uhr, komme ich endlich beim Schwarzen Grat, dem offiziellen Ende des HW5 an. Der große Turm baut sich regelrecht vor mir auf.

Schwarzer-Grat-Turm

Ich steige zum Turm hinauf und genieße für einige Minuten den Blick auf die Alpen.

Dann steige ich wieder ab und mache mir auf einer Bank vor dem Turm mein Abendessen. Immer wieder kommen Leute vorbei und unterhalten sich kurz mit mir, um zu erfahren wo ich hin möchte und was meine weiteren Pläne sind. Währendessen verspeisen ich mein Abendessen.

Als ich fertig bin und weiterhin spät am Abend Jogger und Radfahrer hier hinauf kommen, verwerfen ich meinen Plan hier zu übernachten.

Ich mache mich im Halbdunkel nochmals auf den Weg und werde bereits nach etwas mehr als einem Kilometer beim Raggenhorn fündig. Innerhalb einer Kuhweide steht ein Denkmal für Gefallene des ersten Weltkrieges, das eingezäunt ist, um die Kühe davon fernzuhalten.

Direkt neben dem Gipfelkreuz baue ich mein Zelt auf und gehe schlafen.

Tag 9 – Schwarzer Grat bis Sonthofen – 31.07.2026

Die Nachteile in einer Kuhweide zu nächtigen sind offensichtlich und trotz Glockengeläut die ganze Nacht, konnte ich einigermaßen schlafen. Meine Uhr sagt zwar, dass ich dringend Erholung brauche und zu wenige geschlafen habe, aber ich fühle mich am Morgen OK.

Da ich an einem ziemlich offensichtlichen Platz mein Zelt aufgebaut habe, stehe ich pünktlich um 6 Uhr auf und baue schnell mein Zelt ab.

Dann folgt direkt der Abstieg nach Wengen. Eigentlich wollte ich dort mein Wasser auffüllen, welches mittlerweile leer ist, aber da ich direkt am Eingang des Ortes nichts finde und mein Weg abbiegt, gehe ich ohne Wasser weiter.

Es geht den Ort hinaus und über einen kleinen Pfad nach oben. Anscheinend habe ich irgendwo die Abzweigung verpasst, denn ich stehe Mitten im Wald und der Weg hört vor mir auf. Als ich in komoot schaue, bin ich knapp unterhalb des Weges. Also klettere ich einen Hang hinauf, nur um oben dichten Tannenwald vorzufinden. Hier kämpfe ich mich durch, bis ich dann endlich wieder auf einem richtigen Weg ankomme. Insgesamt habe ich für diese 1,5 km mindesten 40 Minuten gebraucht.

Von hier an geht es dann aber schneller, leider auch schweißtreibenden hinauf. Der „bessere Weg“ wurde anscheinend auch von Forstwirten geräumt und somit bleibt der Anstieg über längere Zeit anstrengend.

Ich bin froh, als ich endlich oben ankomme und wieder langsam hinabsteigen kann. Eigentlich würde ich gerne etwas trinken, aber leider habe ich nichts mehr in meinen Flaschen.

Somit geht es ohne Wasser kurze Zeit bergab und weiter unten finde ich tatsächlich eine Kuhtränke, die einigermaßen sauber aussieht. Zum ersten Mal auf der Tour kommt mein Wasserfilter zum Einsatz, um das Wasser aus der Tränke zu filtern.

Dann gönne ich mir das kalte Wasser und ziehe danach weiter, nur um wenige Minuten später vor einer Kapelle anzuhalten und auf der Bank davor zu frühstücken.

Es folgt ein erneuter langer, sehr schweißtreibenden Anstieg auf den Sonneck.

Oben steht wieder ein Turm, von wo aus ich die Landschaft um mich herum beobachte, während ich mich vom Anstieg erhole. Nach der kurzen Verschnaufpause, geht es auch schon wieder nach unten.

Ein langgezogener, aber wenig anstrengender Anstieg führt mich zuerst nach Diepolz, wo ein Museum zur Geschichte der Menschen in der Bergwelt aufgebaut ist. Da ich hier bereits dieses Jahr mit der Familie war und ich schon weiß, wie viel Pfund Butter ein Knabe pro Tag auf einer Holzfällerhütte gegessen hat, lasse ich das Museum aus und gönne mir um kurz vor Mittag ein kaltes Radler.

Von hier an, führt mich ein langgezogener, aber wenig anstrengender Abstieg zum Großen Alpsee. Dem kalten Wasser kann ich bei mittlerweile wieder 35 Grad Außentemperatur nicht widerstehen und somit springe ich kurzerhand in den See, um mich ein bisschen abzukühlen.

Als meine Füße danach wieder trocken sind, geht es mir Schuhen weiter nach Immenstadt im Allgäu, welches ich aber nur kurz streife und dann weiter bis nach Sonthofen wandere. An der Ostrach entlang, geht es über mehrere Kilometer weiter Richtung Süden. Immer wieder sehe ich Kanufahrer oder Gruppen im Schlauchboot, die durch das wenige Wasser im Fluss aber nur langsam vorankommen.

Kurz vor Sonthofen habe ich nochmals einen schönen Blick auf die Berge vor mir, bevor ich nun die Stadt abbiegen.

Da für heute Abend und für die Nacht Gewitter gemeldet sind, habe ich mir am Morgen ein Hotel hier gebucht. Nach kurzem Suchen hatte ich dann trotz Ferienzeit eins für unter 70€ gefunden. Gegen 17 Uhr komme ich dort an und nehme erstmal eine ausgiebige Dusche und wasche ein paar Kleider durch.

Dann esse ich noch im Lokal eine runde Spareribs und trinke Bier, während ich die fehlenden Beiträge in meinem Blog ergänze. Kurz nach 21 Uhr gehe ich dann schlafen, da mir am Tisch fast die Augen zufallen.

Tag 10 – Sonthofen bis Haldenseehaus – Samstag 01.08.2026

31,8 km / H 910m / R 520m

Heute bleibe ich bis 6:40 Uhr liegen, bevor ich mich zum Frühstück aufmache.

Ich schlage kräftig zu und sitze daher eine ganze Weile. Erst gegen 8 Uhr komme ich los und mache mich direkt auf den Weg Sonthofen zu verlassen.

Über die Nacht hat es deutlich abgekühlt und somit wandere ich am Morgen bei entspannten Temperaturen an der Ostrach entlang, bevor der Weg mich etwas davon weg und weiter nach oben führt.

Am Hang entlang geht es für mich weiter durch das Ostrichtal und ich habe die meiste Zeit einen schönen Blick auf die Berge der Umgebung.

Neben der schönen Landschaft bekomme ich auch die Steigung der Berge zu spüren. Es geht häufig steil auf und ab. Für einige Zeit steige ich eine kleine Klamm nach oben. Auch wenn es angenehm kühl ist, komme ich trotzdem ziemlich ins Schwitzen. Dafür werde ich mit schönen Wasserfällen belohnt.

Oben angekommen, geht es kurze Zeit an einer Straße entlang und zur Mittagszeit komme ich an der Grenze zu Österreich an. Der alte Grenzstein wirkt ziemlich unscheinbar, aber ich freue mich, dass ich es nun auch zu Fuß von zu Hause bis nach Österreich geschafft habe.

Alter Grenzstein von Österreich

Noch während ich in den nächsten Ort absteige, ziehen Wolken über mir auf und es fängt leicht an zu regnen. Für eine Regenjacke reicht es aber noch nicht und somit laufe ich einfach ohne weiter.

Auch die nächsten Stunden bin ich in schönen Landschaften unterwegs. Mal geht es an einem Hang ein Tal nach hinten und ich kann die Berge um mich herum betrachten.

Später führt mich der Weg am am schönen Haldensee entlang, der mich mit seinem klaren Wasser regelrecht zum Baden einlädt.

Da über mir aber bereits dunkle Wolken zusammenziehen und für den späten Abend Gewitter gemeldet sind, verzichte ich auf ein Bad und schaue lieber nach einer Möglichkeiten zum Übernachten. Umso passender kommt es, dass nur wenige Kilometer entfernt das Haldenseehaus, eine Selbstversorgerhütte des DAV liegt. Ich biege kurz vom Weg ab und bekomme tatsächlich noch einen freien Platz im Lager, da erst vorhin jemand abgesagt hatte. Also verbringe ich den restlichen Abend im DAV Heim und habe endlich mal wieder Zeit zum Lesen, was in den letzten Tagen definitiv zu kurz gekommen ist.

Tag 11 – Haldenseehaus bis Lermoos – Sonntag 02.08.2026

33,6km / H 750m / R 900m

Im Lager habe ich heute sehr gut geschlafen. Da ich erst ab 7:30 Uhr auschecken kann und auch nicht wirklich was zum Frühstücken habe, bleibe ich bis kurz vor 7 Uhr liegen und gehe danach hinunter und nehme ein etwas bedauernswertes Frühstück zu mir.

Dann bezahle ich meine günstige Unterkunft – dem Alpenverein sei dank – und kurze Zeit später wandere ich bereits wieder durch das Tal.

Heute fällt mir das Wandern besonders leicht und somit bin ich zu Beginn des Tages mal wieder schnell unterwegs.

Während es anfangs noch entspannt durch die Landschaft geht, steht bald der erste, längere Anstieg an. Über einen Forstweg geht es über mehrere Kilometer konstant nach oben. In gleichmäßigen, aber sportlichen Schritten gehe ich immer weiter hinauf. Irgendwann kommt von hinten ein Radfahrer, der auch ziemlich strampeln muss. Da es aber relativ steil und lange nach oben geht, dauert es fast 30 Minuten bis er mich wirklich überholt hat. Als ich dann oben ankomme, bin ich komplett durchschwitz, woran ich mich aber die nächsten Wochen anscheinend gewöhnen muss.

Von hier an geht es über eine ehemalige Handelsroute wieder hinunter zu einem kleinen Stausee, dem ich dann bis zum Ende folge.

Weiter geht es durch kleine Orte und immer mal wieder nach oben und dann nach unten. Die meiste Zeit führt der Weg über Forstwege durch die Landschaft.

Erst gegen Mittag bekomme ich wieder mehr Berge vor mir zu sehen und bin fortan auch wieder mehr außerhalb von Bäumen unterwegs.

In Berwang bekomme ich für kurze Zeit die Zugspitze zu Gesicht, welche aber bald schon wieder hinter anderen Bergen verschwinden sollte.

Da mir das Wandern heute einfach fällt, mache ich kaum Pausen und laufe immer weiter. Selbst nach 30km bin ich nicht wirklich kaputt und würde eigentlich gerne noch ein paar Kilometer machen. Heute Morgen hatte ich bereits nach Unterkünften in Ehrwald geschaut, aber nur übermäßig teure Hotels gefunden und mich dazu entschieden lieber zu campen. Leider ist heute Gewitter gemeldet und der Campingplatz in Ehrwald in der falschen Richtung. Als ich dann in Lermoos ankomme und dunkle Wolken über meinen Kopf ziehen, gehe ich schnell auf einen kleinen Campingplatz hier im Ort.

Zugspitze in Wolken

Noch während ich einchecke, fängt es draußen an zu blitzen und Regen setzt ein. Ich gehe dann erstmal duschen und Abendessen, bevor ich mein Zelt auf dem letzten freien Platz, zwischen zwei Dauercampern, aufbaue. Für morgen Abend hat mir mein Bruder dankenswerter weise einen Platz in der Knorrhütte gebucht (meine Karte wurde online abgelehnt), wohin ich morgen aufsteigen möchte. Von dort aus will ich dann am Dienstag Morgen auf die Zugspitze hinauf und den nächsten Meilenstein meiner Wanderung erreichen.

Übersicht

Mittlerweile bin ich schon wieder einige Zeit unterwegs, auch wenn es mir vorkommt, als ob ich erst los bin.

In den letzten 11 Tagen habe ich es geschafft, von zu Hause aus den kompletten HW5 hinter mir zu lassen und weiter nach Österreich vorzustoßen.

In den nächsten Tagen möchte ich die Zugspitze erklimmen und dann auf dem L1 weiter in Richtung Süden gelangen.

Hier ein paar Statistiken zu meiner bisherigen Tour:

  • Gesamtstrecke absolviert: 417 km
  • Tagesschnitt: 37,9 km
  • Nächte im Zelt: 8

Und hier noch ein kurzer Blick auf die Karte, wo ich mich aktuell befinde:

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f.hoehn
f.hoehn

31 Jahre alter Abenteurer aus der Nähe von Karlsruhe. Liebt Fernwanderungen aller Art und ist seit 2023 bereits mehr als 10.000 Kilometer gewandert. Verbringt die Zeit zu Hause gerne mit Kaffee trinken oder Pizzabacken.

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