Ruhige Tage in der schwäbischen Alb

Nachdem ich die letzten Tage den Großraum Stuttgart weitestgehend hinter mir gelassen habe, geht es nun weiter durch die schwäbische Alb.

Tag 4 – Girsberg bis Burg Derneck – Sonntag 26.07.2026

36,1km / H 790m / R 970m

Ich muss mich wohl noch ans Zelten gewöhnen. Heute Nacht war so warm, dass ich nicht wirklich schlafen konnte, obwohl ich auf meinem Schlafsack lag.

Wenig ausgeruht stehe ich trotzdem um halb 7 auf und packe alles zusammen. Ich wandere direkt los und genieße die Ruhe am Morgen.

Auch heute geht es erstmal durch Wald und Wiesen. Bereits nach kurzer Zeit komme ich an der Nebelhöhle vorbei. Leider hat sie aber so früh am Morgen noch geschlossen und somit kommt eine Besichtigung nicht in Frage. Immerhin finde ich einen Wasserhahn, um mir meinen Kaffee auf einer der Bänke zu machen.

Ich laufe weiter und sehe einige Camper auf dem dazugelegenen Parkplatz stehen, dir auch gerade frühstücken.

Danach geht es neben hoch stehenden Getreidefeldern weiter bis zum Schloss Lichtenstein.

Von außen sieht es wirklich schön aus. Die hohen Türme aus Stein wirken majestätischen und ihre Anbringung durchdacht.

Den Eintritt von 16€ spare ich mir dann aber doch, da ich nicht genügend Zeit habe mir die Sachen genauer zu betrachten. Immerhin komme ich noch an einem Panorama Blick vorbei, der mir das erste Mal zeigt, wie hoch ich gestern tatsächlich noch aufgestiegen bin. Das Schloss und die gegenüberliegenden Felsen harmonieren gut und ich genieße den Ausblick für einige Minuten, bevor ich dann schnell weiter laufe.

Ich wandere weiter, bis ich in Engstingen in einer wirklich niedlichen Dinkelbäckerei anhalte. Im wesentlichen ist es nur ein Verkaufsraum im Keller der Familie, wo sie aber sehr leckere Brezeln und besten Kaffee verkaufen, und ein paar Sitzplätze davor. Als ein Einheimischer mich als Wanderer sieht und ich im beim Anstehen an der Kasse kurz erzähle was ich mache, bezahlt er mir meine Butterbrezel und meinen Kaffee, weil er es so gut findet, dass junge Leute noch so etwas tun anstatt nur an ihre Karriere zu denken. Während ich die Sachen verspeisen Unterhalter ich mich ein bisschen mit ihm und ziehe danach weiter.

Es geht eher unspektakulär weiter durch die Landschaft. In einem Wanderheim, welches direkt auf dem Weg liegt, gönne ich mir eine Portion Maultaschen und ansonsten wandere ich die meiste Zeit durch Wald und Wiesen.

Hier mal noch ein Bild von mir unterwegs mit meinem Sun Hoodie, den man bei dem Wetter gut gebrauchen kann.

Gegen Abend komme ich dann dem Lautertal immer näher. Während neben mir noch die Mähdrescher ihre Arbeit auch am Sonntag erledigen, sehe ich vor mir bereits die ersten Felsen des Tals. Ich komme an einer schönen Aussicht vorbei.

Da ich Hunger habe und das nächste Wanderheim nicht fern ist, beeile ich mich, um eventuell noch etwas Essbares abzubekommen.

Als ich an der Burg Derneck ankomme, sind aber bereits keine Gäste mehr da. Einige der Freiwilligen räumen gerade auf und die Küche ist bereits geschlossen. Aber da sie sehen, dass ich auf Wanderschaft bin, werde ich schnell gefragt wo ich herkommen und wo ich hin möchte. Sie füllen mir mein Wasser auf und gerade als ich gehen möchte, werde ich gefragt ob ich Wurstsalat haben möchte. Sie haben noch übrig und müssten ihn sonst wegwerfen. Dieses Angebot lasse ich mir natürlich nicht entgehen und somit sitze ich kurze Zeit später dann doch da alleine im Hof und verspeisen meine große Portion Wurstsalat und bekomme auch noch eine Limo, die anscheinend falsch geöffnet wurde, gratis dazu. Ich verzehre mal wieder sehr leckere Reste für umsonst und erzähle dabei mit den Freiwilligen, die weiterhin aufräumen.

Als ich fertig bin nehme ich meine Sachen und wandere einige hundert Meter bergabwärts zu einem Spielplatz mit großer Wiese. Dort baue ich mein Zelt auf und gehe dann auch schon wieder bald schlafen.

Tag 5 – Burg Derneck bis Ahlen – Montag 27.07.2026

43,3km / H 800m / R 780m

Heute war es die ganze Nacht still – keine Autos und keine Flugzeuge. Da für heute morgen ab 7 Uhr regen gemeldet ist, und ich keine Lust auf ein nasses Zelt habe, stehe ich um 6:30 Uhr auf und packe alles zusammen. Dann setzte ich mich in die Schutzhütte am Spielplatz und frühstücke, während außerhalb tatsächlich der Regen einsetzt.

Bis er wieder nachlässt und ich loskomme, ist es leider schon fast 8 Uhr. Der Weg führt mich hinunter zur Lohne, der ich nun durch das Taal folge. Die Natur hier ist wirklich wunderschön und selbst die Wolken ziehen langsam ab.

Es geht immer weiter am Fluss entlang, welches das Tal tief in die Felsen gefressen hat, wodurch die Hänge steil abfallen und auch einige Höhlen vorhanden sind.

Ich bestaunen die vielen Felsformationen hier im Tal und steige zu einem alten Turm hinauf, von wo aus ich einen schönen Überblick bekomme.

Auch nachdem ich wieder unten angekommen bin, komme ich aus dem Staunen kaum heraus.

Mach einiger Zeit verlasse ich das schöne Tal und wandere durch Wald weiter durch die Landschaft.

Irgendwenn biege ich ab und komme am ehemaligen Kloster Obermarchtal vorbei.

Da ich hier bereits vor einigen Jahren mit der Familie unterwegs war, spare ich mir eine genauerer Besichtigung der beeindruckenden Kirche.

Stattdessen kaufe ich mir im kleinen Supermarkt eine Spezi und mache kurz Mittagspause. Danach geht es weiter durch Wald und Wiesen und begegne dabei so gut wie niemandem. Mittlerweile habe ich den Stress des Alltags zu Hause hinter mir gelassen und wandere komplett entspannt durch die Landschaft.

Ein letzter, aber anstrengender Anstieg, bringt mich zum Bussen hinauf. An der Kirche angekommen, bestaunen ich das Panorama, welches ihr zu Füßen liegt. Bei genauerem hinschauen, kann ich tatsächlich die ersten Berge der Alpen ausmachen. Somit komme ich meinem ersten Etappenziel langsam näher.

Ziemlich am Gipfel gibt es einen Automaten, wo es frisches Eis zu kaufen gibt. Also sitze ich kurze Zeit später auf einer Bank und verspeisen ein wohltuendes Eis und trinke eine Cola.

Danach steige ich vom Berg hinab und wandere weiter bis nach Uttenweiler, während ich die Aussicht vor mir genieße. Im Ort angekommen, esse ich in einem Restaurant ein leckeres Schnitzel und lasse meine Powerbank während dem Essen laden.

Gegen 20 Uhr breche ich wieder auf, um mir einen Schlafplatz zu suchen. Am späten Abend wirkt die Landschaft auch heute wieder magisch. Die tiefstehende Sonne lässt alles wunderbar wirken.

Ich steige einen kleinen Berg hinauf und bei einem Blick zurück sehe, wie die Sonne langsam hinter dem Bussen untergeht.

Einige Meter weiter oben komme ich an einem Spielplatz mit großem Rasen vorbei. Ich baue mein Zelt hinter dem Tor eines Fußballfelds auf und lege mich direkt schlafen. Am Ende waren es dann auch heute wieder deutlich über 40 km. Morgen dann hoffentlich eine etwas kürzere Tour.

Tag 6 – Ahlen bis Steinhausen – Dienstag 28.07.2026

30km / H 270m / R 340m

Pünktlich um 6:15 Uhr stehe ich auf und packe mein Zelt ein. Dann setzte ich mich noch auf einen Bank und frühstücke.

Für heute habe ich eine etwas kleinere Tour mir ca. 30 km geplant. Grund ist ein Campingplatz an meinem Zielort und nach bereits 5 Wandertagen wird es langsam mal wieder Zeit für eine richtige Dusche und Kleider waschen.

Nach dem Frühstück wandere ich entspannt durch den Wald bis nach Biberach.

Als ich um kurz nach 10 dort ankomme, setzte ich mich erstmal in ein Café und nehme ein zweites Frühstück mit einem wirklich guten Kaffee zu mir.

Nach der Stärkung, verlasse ich die Stadt und wandere weiter. Mittlerweile sind die Temperaturen deutlich angestiegen und mir fällt das Gehen auf dem heißen Asphalt schwer. Leider gibt es zu Beginn aber auch wenig Abwechslung und ich wandere die meiste Zeit auf Asphalt oder Schotterstraßen zwischen Feldern und Weiden hindurch.

Da es auf der Strecke selbst wenig Highlights gibt, laufe ich Gedanken versunken durch die Gegend. Auf einer Bank, welche im Schatten eines Baumes steht, mache ich einige Minuten Pause, bevor ich mich an den letzten Abschnitt der heutigen Etappe wage.

Zum Glück geht es nochmals längere Zeit durch den Wald und als ich aus ihm heraustreten, sehe ich bereits mein heutiges Zielt Steinhausen.

Mitten im kleinen Ort steht eine gewaltige Wallfahrtskirche, sie für diesen kleinen Ort regelrecht überdimensioniert wirkt. Leider ist sie aktuell wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Also gehe ich einige Meter weiter und komme an einem Miniladen vorbei. Es gibt nur eine Selbstbedienungskasse und geputzt wird mit dem Staubsaugroboter. Es gibt zwar nicht alles, aber für die Größe doch ziemlich viel. Einiges von Leuten hier in der Gegend. Neben Wurst, Tiefkühlsachen, und Fertigprodukten, auch frische Backwaren und Eis. Insgesamt wirkt es auf mich wie ein sehr gutes Konzept, das sich sicher auch andernorts lohnen könnte. Ich hole mir ein Erdbeereis und sitze kurze Zeit später auf den Stühlen vor dem Geschäft und genieße das kalte Eis.

Danach gehe ich zwei Minuten weiter zum Campingplatz. Auch der ist klein, hat aber für ein paar Wohnmobile und sogar für Zelte eine Platz. Ich baue meins auf einer Wiese auf und gehe erstmal Kleider waschen. Während diese in der Sonne trockenen, nehme ich eine ausgiebige Dusche, die nach 5 Tagen Wanderung nicht nur gut tut, sondern auch bitter notwendig war.

Später kommt noch eine Familie, welche gemeinsam einige Tage mit dem Rad unterwegs sind, auf die Zeltwiese dazu. Am späteren Abend koche ich mir noch etwas zu Essen und verschwinde dann auch schon bald im Zelt, um nicht etwas zu lesen und dann einzuschlafen.

Tag 7 – Steinhausen bis Gospoldshofen – Mittwoch 29.07.2026

42,9km / H 740m / R 570m

Heute bleibe ich bis um 6:30 Uhr liegen und packe dann alles leise zusammen, um die anderen Leute nicht zu wecken. Mit meinem Sachen im Rucksack gehe ich nochmals in den kleinen Laden von gestern, lasse mir einen Kaffee raus und gönne mir ein leckeres Schokocroissant.

Dann geht es auch schon wieder los und bereits nach wenigen Metern bekomme ich nochmals einen Blick zurück auf das kleine Dorf mit der großen Kirche.

Dann führt mich der Weg weg von der Straße und ich komme an einem französischen Soldatenfriedhof vorbei, der während der Bauernkrieg entstanden war, aber relativ unspektakulär ist.

Von hier an, schlängelt sich der Weg über kleine Pfade durch den Wald. Immer wieder komme ich kurz am Waldrand hinaus und kann dort die Landschaft bestaunen, bevor es wenige Meter später wieder in den Wald hinein geht.

Später verlasse ich den Wald für einige Zeit und es geht weiter durch Felder und Weiden hindurch.

Was mir direkt auffällt und in gewisser Weise auch interessant ist, dass auf der rechten Seite klassisch Mais angebaut wird, auf der linken Seite hingegen zusammen mit Bohnen – fast wie, ich ich es zu Hause schon gemacht habe.

In Osterhofen fülle ich in einem Restaurant nochmals mein Wasser auf, da es keinen Supermarkt oder Brunnen zu geben scheint. Dann steige ich bis nach Graben auf, nur um auf der anderen Seite wieder hinunter zu wandern.

Es folgt ein anstrengender und unschöner Teil. Über mehrere Kilometer geht es auf einer Teerstraße nahezu gerade aus zwischen Mais- und abgeernteten Getreidefeldern hindurch. Bei knapp 35 Grad ist das sehr anstrengend für mich.

Umso mehr freue ich mich, als ich endlich abbiegen und anstatt der immer gleichen Landschaft an ein paar alten Bauernhäusern vorbeikomme.

Ein älterer Herr sitzt vor einem verlassenen Haus und trinkt ein Bier. Er fragt mich wohin ich möchte und meint ich solle mich doch kurz dazu setzen und Pause machen, da man bei der Hitze viel Pause machen muss. Dann erzählt er mir, dass er früher häufiger hier war und viele Wanderer mit Musik unterhalten hat. Er erzählt von Leuten die von Griechenland mit einem Pferd bis hier her gewandert sind und anderen Leute, die nur auf kleinen Touren waren. Nach ca. 15 Minuten interessanten Gespräch, breche ich wieder auf.

Es geht nun durch das Wurzacher Ried, welches wirklich beeindruckend schön ist. Das Moor scheint ziemlich groß zu sein und neben einer interessanten Flora und Fauna auch einiges geschichtliches parat zu haben.

An manchen Tagen kann man anscheinend sogar mit der alten Moorbahn entspannt herum fahren. Ich hingegen wandere mehrere Kilometer, bis ich am Ende und somit in Wurzach ankomme.

Ich kaufe in einer Apotheke neue Blasenpflaster und Sporttape, um meine Füße zu versorgen. Danach kaufe ich bei einem Norma, wo das Sortiment nicht besonders groß ist, mein Abendessen. Auf ein Bier für den Abend verzichte ich bei der primitiven Auswahl dann doch lieber, aber nehme zumindest Wasser mit.

Mit vollen Taschen geht es aus der Kleinstadt hinaus direkt nach oben. Es ist generell wenig los und ich fange langsam an, nach Schlafplätzen Ausschau zu halten. Am Ende wandere ich aber nochmals hinunter und erneut nach oben, bis ich auf der anderen Seite des Berges eine passende Stelle für mein Zelt finde.

Erschöpft baue ich mein Zelt gegen 20 Uhr auf und koche mir schnell etwas zu Abend – lecker Thunfisch mit Reis.

Dann schreibe ich noch an meinem Blog und Versuche zu lesen, lege das Buch aber nach wenigen Minuten weg, da ich einfach zu erschöpft bin. Stattdessen schließe ich meine Augen und schlafe ein.

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f.hoehn
f.hoehn

31 Jahre alter Abenteurer aus der Nähe von Karlsruhe. Liebt Fernwanderungen aller Art und ist seit 2023 bereits mehr als 10.000 Kilometer gewandert. Verbringt die Zeit zu Hause gerne mit Kaffee trinken oder Pizzabacken.

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