Mittlerweile habe ich das Ötztal verlassen und die Grenze nach Italien überschritten. Meine Wanderung geht weiter durch die eher ruhigere und weniger von Tourismus geprägte Adamellogruppe. Auf mich warten schöne Landschaften und Gletscherkontakt.
Tag 20 – Schlanders bis Marteller-Hütte – Dienstag 11.08.2026
32,6 km / H 3310 m / R 1430 m
Im Zelt habe ich mal wieder sehr gut geschlafen und da ein langer Tag für mich ansteht, stehe ich früh auf. Bereits um 7 Uhr laufe ich los, kaufe noch kurz etwas zum Essen in einem Supermarkt, bevor ich Schlanders verlasse.
Wie die meisten Tage, geht es direkt bergauf. Anfangs noch über eine breitere Straße und bald über kleinere Pfade, die sehr unbenutzt wirken. Das Gras ist hoch und oftmals kein Pfad ersichtlich.

Trotzdem steige ich immer weiter auf und bekomme bald Schlanders, mit den vielen Obstanlagen, von oben zu Gesicht.

Am Morgen geht es für mich immer nur nach oben. Bei der Göflaner Alm lege ich eine erste Pause ein und trinke einen Americano. Der Wirt erzählt mir, dass ich dieses Jahr erst der fünfte L1-Wanderer bin, der hier vorbeikommt. Normalerweise seien es höchstens 100 pro Jahr, aber dieses Jahr besonders wenig. Also kein Wunder, dass ich niemanden treffe.
Danach wandere ich weiter bergauf und komme an einem Steinbruch vorbei, an dem Marmor abgebaut wird. An Tafeln ist interessantes über die Geschichte erklärt und einige alte Relikte stehen noch herum, die von der mühseligen Arbeit zeugen, während heutzutage alles mit LKWs ins Tal transportiert wird.


Ich biege aber ab und steige weiter hinauf zum Göflaner-Schartle auf 2396m. Über Geröll geht es die letzten Meter hinauf, aber ich schaffe es nach oben, wo ich dann bereits über 1000 Höhenmeter aufgestiegen bin.

Da ich dort passend zur Mittagszeit ankomme, lege ich eine Pause ein und verspeisen Brot mit Salami, während ich die Landschaft betrachte.
Dann geht es kurz sanft bergab weiter zum Saugrat, von wo ich einen sehr schönen Blick hinunter ins Martelltal bekomme.

Auch der weitere Weg bietet schöne Blicke ins Tal.

Selbst bei diesem schönen Aussichtspunkt ist niemand anzutreffen und somit wandere ich weiter komplett alleine durch die schöne Landschaft hinunter bis zum Berggasthof Stallwies, wo die heutige Etappe offiziell enden würde. Auf den letzten Metern kommen mir dann tatsächlich Leute entgegen und ich merke schnell, dass der Gasthof ein beliebtes Ausflugsziel ist. Ich gönne mir ein Erdbeer-Tiramisu und mache mich danach gestärkt erneut auf den Weg.


Eigentlich dachte ich, dass es nun entspannt weiter gehen sollte, aber der Weg jagt mich immer wieder einige Höhenmeter nach oben und nach unten. Somit sammel ich weiter Höhenmeter am heutigen Tag und schwitze ziemlich. Immerhin wandere ich durch den Wald und somit bleibt die Wanderung erträglich, auch wenn ich langsam die vielen Höhenmeter in den Muskeln spüre.

Ich gehe immer weiter und sehe irgendwann die Zufallhütte, auch wenn der Weg dorthin noch weit ist. Es geht weiter auf und ab und nach einem erneuten, anstrengenden Anstieg komme ich an der Hütte an.

Dort ist ziemlich viel los und somit fülle ich nur kurz mein Wasser auf und mache mich direkt auf den weiteren Weg, um es heute doch noch zur Marteller-Hütte zu schaffen.
Weitere 300 Höhenmeter trennen mich vor der Hütte und dann ist der Weg auch noch gesperrt, da er durch ein Unwetter beschädigt wurde. Da ich die neue Brücke über den Gebirgsfluss aber schon sehen kann, wandere ich trotzdem durch die Absperrung. Falls noch irgendwo eine Brücke fehlen sollte, könnte ich den Fluss auch so durchqueren, was aber nicht der Fall sein sollte. Ansich ist der Weg ganz in Ordnung und anscheinend wurde er nur wegen der fehlenden Brücke gesperrt, die bereits wieder in Takt ist.
Der Weg führt mich weiter hinauf und da schon fast 18 Uhr ist, erscheint das Tal vor mir mal wieder in einem sehr schönen Licht.

Nach dem letzten, anstrengenden Anstieg, komme ich kurz nach 18 Uhr an der Hütte an und bekomme noch einen Platz im Lager. Da es um 18:30 Uhr bereits Abendessen gibt, nehme ich noch schnell eine eiskalte Dusche, bevor ich dann auch schon am Esstisch sitze.

Mit zwei deutschen Unterhalter ich mich über Touren und Expedition, die sie bereits gemacht habe. Einer von beiden war anscheinend zu der Zeit am Aconcagua, als ich auch gerade dort war.
Nach dem Essen schaue ich nochmals nach draußen und bestaunen die Gletscher um mich herum, wie sie in der untergehenden Sonne strahlen. Dann schreibe ich noch kurz am Blog und plane den morgigen Tag, bevor ich auch schon wieder erschöpft schlafen gehe. Die 3300 Höhenmeter haben mir dann doch ziemlich zu schaffen gemacht.

Tag 21 – Marteller-Hütte bis Ponte di Legno – Mittwoch 12.08.2026
45,4 km / H 1890 m / R 3360 m
Heute hatte ich wieder sehr gut im Lager geschlafen. Die Decke, die ich mir am Abend geholt hatte, lag die ganze Nacht neben mir, da es auch ohne warm genug war.
Am Morgen frühstücke ich noch kurz und dann packe ich alles zusammen. Meine Grödel, die seit meinem Aufbruch in Jöhlingen unten im Rucksack verstaut waren, kommen heute mal ganz nach oben, da ich sie wahrscheinlich brauchen werde – Zumindest steht es so in meinem Reiseführer.

Zuerst geht es aber von de Hütte weg und über einige Felsen nach oben. Den Gletscher habe ich dabei fast die ganze Zeit im Blick.

Ich treffe bald zwei Wanderer aus der Hütte, die heute den Aufstieg zum Monte Cevedale wagen wollen. So wie ich, müssen sie zuerst hinauf zum Kamm und wollen von dort aus dem Grat nach oben folgen.

Als der Weg eigentlich über das Eis weiter geht, machen sie lieber einen Umweg außen herum, da sie die Steigeisen nicht anziehen wollen. Ich dagegen packe die Grödel aus und freue mich, als ich endlich wieder das Kratzen des Metalls auf dem Eis höre. Mit dem guten Halt, komme ich deutlich schneller voran als die anderen beiden und habe das Stück Eis schnell gequert.

Über einige Steine kletter ich weiter nach oben und komme an der Scharte an. Hier ziehe ich die Grödel dann wieder aus und es geht für mich entspannt weiter nach unten.

Beim Abstieg merke ich die vielen Höhenmeter von gestern, komme aber trotzdem gut voran. Nach einem längeren Stück mit guter Aussicht, geht es unspektakulärer durch den Wald weiter.

Hier begegne ich mal wieder niemandem. Erst als ich dem Ort Peio näher komme, treffe ich einige Tagestouristen an, die hier anscheinend die Natur genießen. Im Ort schaffe ich es gerade noch rechtzeitig in den kleinen Dorfladen bevor dieser um 12:15 schließt. Viel Auswahl gibt es nicht, aber ich bekomme ein paar KitKat, Pizzacracker und ein Renegate zum Trinken. Auf einer Bank mitten im Ort verspeisen ich meine Sachen. Für eine Übernachtung hier im Ort ist es definitiv noch zu früh und somit mache ich mich erneut auf den Weg. Es geht direkt wieder durch Wiesen steil bergauf.

Immer wieder kommen mir Leute entgegen, die aber eher wie Tagestouristen wirken. Für längere Zeit geht es am Hang entlang durch den Wald auf und ab. Bald erreiche ich den Lagon di Pia Palon. Es scheint ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, den überall sind Familien unterwegs und sitzen an den Tischen zum picknicken. Ich überqueren dagegen die Staumauer und mache mich auf der anderen Seite des Sees an den nächsten Anstieg.

Nach einigen Minuten zieht das Gewitter auf, welches angekündigt war, aber deutlich früher eintritt als erwartet. Ich halte an und warte ab. Als es dann anfängt zu blitzen, steige ich doch nochmals etwa 100 Höhenmeter weiter in den Wald ab, wo ich mich sicherer fühle. Dort nutze ich die Zwangspause, um eine Kleinigkeit zu essen und nochmals den kommenden Abschnitt auf der Karte zu studieren.
Nach etwa einer halben Stunde scheint das Gewitter über mich hinweg gezogen zu sein und ich wage den Aufstieg erneut. Einige hundert Höhenmeter habe ich noch vor mir und ich kämpfe mich langsam nach oben.
Als ich etwa zwei Drittel des Aufstiegs geschafft habe, sehe ich hinter mir das Gewitter in der nächsten Bergkette hängen.

Ich steige weiter entspannt den Berg hinauf. Einige Zeit später höre ich das Grollen aber wieder näherkommen und als ich mich erneut umdrehe, sehe ich dass das Gewitter wieder in meine Richtung zieht. Ich bin an einem denkbar ungünstigen Punkt ziemlich weit oben.
Absteigen, und somit in das Gewitter hineinlaufen macht wahrscheinlich wenig Sinn, und vor mir liegt noch eine kleine Hochebene, die ich nun in sehr schnellen Schritten durchquere. Das Gewitter ist aber anscheinend schneller als ich und fängt an, mich langsam einzuholen.

Umso mehr freue ich mich, als ich endlich den Pass erreiche, von wo es nur noch wenige Minuten hinunter zum Rifugio Bozzi geht.
Unterwegs komme ich noch an alten Schützengräben und ehemaligen Stellungen vorbei, die während des ersten Weltkrieges errichtet und heutzutage zum Glück keinen Nutzen mehr haben.

Gerade rechtzeitig erreiche ich das Refugio. Leider erfahre ich, dass sie komplett ausgebucht sind und ich nicht hier bleiben kann. Da es keine Alpenvereinshütte ist, gibt es auch kein Recht auf Notlager und somit muss ich nachher wohl weiter. Erstmal warte ich aber das Gewitter und den Regen ab. Ich lege mich etwas auf eine Bank unter dem Dach und mache ein Nickerchen, bis das Wetter weitergezogen ist.

Dann mache ich mich erneut auf den Weg, auch wenn ich schon über 34 km absolviert habe. Immerhin ist der kommende Abstieg ziemlich schön. Vor mir gibt es einige tolle Berge zu betrachten und mir gefällt der Anblick, wie das Gewitter über den Bergen vor mir hängt.

Der Weg selbst ist zwar sehr leicht, aber durch die zahlreichen Serpentinen auch ziemlich lang. Anfangs überlege ich mir irgendwo hier oben mein Zelt aufzuschlagen, aber da ich kein Wasser habe und ich mir nicht sicher bin, ob es heute Nacht nochmals Gewittern soll oder nicht, wandere ich weiter bergab.
Unterhalb des Baumgrenze fülle ich an einem Bach mein Wasser auf und wäre somit bereit, hier irgendwo mein Zelt aufzuschlagen. Leider finde ich keinen passenden Platz mehr und somit laufe ich dann doch noch bis Ponte di Legno.

Die Hotelpreise sind im Internet mal wieder exorbitant hoch, weshalb ich dann doch keins buche. In der Innenstadt komme ich an einem einfach aussehenden Bed&Breakfast vorbei. Als ich nachfragen, bekomme ich tatsächlich ein Zimmer mit Frühstück für 50€. Das Haus ist zwar ziemlich alt und der Besitzer kann nur Italienisch, aber da es bereits nach 20 Uhr ist und ich nur zum Schlafen hier bin, nehme ich das Angebot dankend an.

Nach einer schnellen Dusche, gehe ich noch im Ort Pizza essen und bis ich zurück bin, ist bereits 22 Uhr. Zeit zum Schlafen.

Tag 22 – Ponte die Legno bis Refugio Tonolini – Donnerstag 13.08.2026
24,3 km / H 1820 m / R 710 m
Das Frühstück fällt leider dem Preis entsprechend aus. Es gibt helle Brötchen und dazu Marmelade und Jogurt aus Plastikverpackung. Der Kaffee ist eigentlich ganz ok. Bis ich damit fertig bin, ausgecheckt und meine Essensreserven für dich nächsten Tage aufgefrischt habe, ist es bereits halb 9.
Ich verlasse die kleine Stadt und muss noch die 3. Etappe von gestern fertiglaufen. Durch den Wald geht es für 4 km weiter bis nach Temu.

Die Strecke lasse ich schnell hinter mir und nun beginnt ein längerer Anstieg. Anfangs geht es für mich langweilig über eine Forststraße durch den Wald hinauf zu einem Staudamm.

Immer wieder werde ich von Autos überholt, die anscheinend oben eine Wanderung beginnen möchten. Am letzten Parkplatz vorbei, wird der Weg etwas steiler und ich überhole wieder einige Leute, die sich langsam den Berg hinaufkämpfen. Ich steige weiter in schnellen Schritten hinauf und komme bald komplett verschwitzt am ersten Staudamm für heute an.

Ich folge dem Weg auf der rechten Seite um den See herum und steige hinten weiter über kleinere Wege nach oben. Irgendwann biege ich links ab und der letze Anstieg zum Refugio Garibaldi beginnt.

Nach weiteren Höhenmetern komme ich dort an. Das Refugio liegt an einem anderen Stausee weiter oben und hat einen schönen Blick auf einen der Gletscher hier. Ich mache kurz Pause und Frage nach dem Wetter. Angeblich soll es heute halten, eventuell gegen 17 Uhr regnen. Da ich bereits um 14 Uhr dort bin, mache ich mich dann doch nochmals auf den Weg.
Mich erwartet nun ein etwas anstrengender Abschnitt, der nicht nur nochmals deutlich nach oben, sondern auch lange Zeit über Blockgelände führen soll. Auf den ersten Metern komme ich noch gut voran und einen kleinen Pass habe ich schnell überquert. Der Abstieg ist zwar steil, aber ich komme bald gut unten an.

Weiter geht es zu einem dritten Staudamm. Neben dem Haus des Wartungspersonals, stehen noch einige alte Militärgebäude herum, die aber alle mehr oder weniger zerfallen sind.


Ich quere die Staumauer, und dann geht es direkt sehr steil bergauf. Für etwa 100 Höhenmeter geht es einen Hang gerade hinauf und ich mache gefühlt mit jedem Schritt die Höhe von zwei bis drei Treppenstufen nach oben – aber auf rutschigem Schlamm. Danach wird der Weg etwas besser und es geht moderater am Hang entlang bergauf. Ich treffe einen jungen Wanderer, der auch Englisch kann und von oben kommt. Er meint auf der anderen Seite seien zwar viele Steine, aber der Weg ok. Kurz vor dem Gipfel auf meiner Seite wäre aber noch ein schwieriges Stück, bei dem er etwas Angst hatte. Gespannt mache ich mich auf den Weg dorthin.
Bevor ich dort ankomme, kommen aber dann immer größere Granitblöcke auf mich zu, und ich springe zwischen diesen weiter hinauf. Kurz vor dem höchsten Punkt, kommt dann der kleiner Klettersteig. Es geht zwar links tief hinunter, aber insgesamt ist er einfach zu erklimmen und von Angst bin ich noch weit entfernt. Aber hoch ist meistens auch einfacher als hinunter.

Bald bin ich dann oben angekommen. Ich sehe zwar nur kleine Regenwolken, aber auf eine Pause verzichte ich trotzdem, um noch vor dem Regen an der nächsten Hütte anzukommen.
Ich steige also auf der anderen Seite wieder über Blockgelände hinunter. Eigentlich dachte ich, dass nur zu Beginn Gestein anzutreffen wäre und dann ein Weg kommen würde, aber ich steige ziemlich lange über die großen Felsen hinab. Mit der Zeit wird das nicht nur für die Gelenke anstrengend, sondern auch für den Kopf, da ich bei jedem Schritt schauen muss wo es lang geht, welcher Fels in Reichweite ist, auf welche Kante ich treten kann ohne dass er kippt und wo ich meine Füße hinsetzte. Das alles dann auch noch in meinem schnellen Wandertempo, wodurch ich immer bereits zwei bis drei Schritte vorausplanen muss. Immerhin ist es Granit, auf welchem ich selbst mit meinen abgelaufenen Trailrunnern einen hervorragenden Halt habe.

Unterwegs sehe ich einige Gämsen und tatsächlich auch Steinböcke, die mich sehr nah an sich heran lassen, ohne weg zu rennen. Menschen treffe ich dagegen auch hier keine.

Gegen 17 Uhr erblicke ich dann das Refugio Tonolini, wo ich kurze Zeit später eintreffe. Ich bekomme noch einen Platz im Lager, das relativ voll wirkt. Immerhin können die jüngeren Angestellten hier Englisch und somit ist auch das Abendessen schnell geklärt. Ich schreibe noch kurz Tagebuch und dann ist es auch schon Zeit für das Abendessen. Es gibt Spaghetti Bolognese und danach Polenta mit Fleisch und grünen Bohnen. Am Tisch sitze ich mit einem italienischen Paar, die zum Glück einigermaßen Englisch können. Sie erzählen mir von einer Tour, die sie vor ein paar Jahren in Marokko gemacht haben.
Um kurz nach 9 geht es dann auch schon wieder ins Bett.

Tag 23 – Refugio Tonolini bis Rifugio Lissone – Freitag 14.08.2026
21,6 km / H 1680 m / R 1710 m
Trotz der vielen Leute im Lager, habe ich gut geschlafen. Das Frühstück fällt leider typisch italienisch und somit sehr spärlich aus. Der Kaffee ist zwar gut, aber sonst gibt es nur Zwieback mit Marmelade und ein paar Kekse. Daher bin ich auch bald wieder auf dem Weg.

Bei noch frischen Temperaturen wander ich erstmal hinunter zum Stausee und dann weiter zum Refugio Gnutti. Von dort aus geht es weiter bergab und ich komme an alten Militärgebäuden vorbei.

Weiter geht es am Steilhang entlang zum hinteren Ende des Tals. Auch hier sind die Überreste alter Stellungen ersichtlich und der Weg selbst zeugt von der militärischen Präsenz vergangened Tage. An einigen Stellen wurde der Weg mühevoll direkt in den Fels gehauen.

Bald komme ich am nächsten Staudamm und somit auch am nächsten Refugio an. Witzig finde ich das Jakobswegzeichen vor der Tür.


Dann kommt wieder ein sehr anstrengender Abschnitt auf mich zu. Steil geht es den Berg hinauf. Serpentinen sind keine vorhanden und auch sonst ist der Weg teilweise schwer ersichtlich. Weiter oben geht es nochmals längere Zeit über schlecht markiertes Geröll.
Irgendwann komme ich an einem Kamm an und lege dort eine Pause bei bestem Bergpanorama ein.

Zum Essen gibt es ein paar Oliven, die ich mir im Supermarkt gekauft und mittlerweile schon einige Tage mit mir herumgeschleppt habe.

Danach geht es nochmals etwas nach oben zum eigentlichen Pass. Als ich dann endlich ganz oben ankomme und der Weg in die andere Richtung abbiegt, schaue ich nochmals auf der Karte nach und bemerke, dass meine Route auf dem Smartphone und die in meinem Reiseführer nicht übereinstimmen. Anscheinend habe ich eine veraltete Version auf dem Handy, welche nicht nur einige Höhenmeter mehr, sondern auch deutlich länger ist. Somit wird es auch heute wahrscheinlich nichts mit einem kurzen Wandertag.

Der Abstieg erweist sich dann als äußerst unangenehm. Anfangs noch sehr steil, bald über Geröll und dann weiter durch eine Wiesenlandschaft. Der Weg ist oft nicht ersichtlich und durch das hohe Gras ist es schwer die Bodengegebenheiten zu erkennen. Immer wieder bleibe ich irgendwo hängen oder trete in ein tiefes Loch. Für die Knie ist das absolut unangenehm und mir macht das Wandern hier trotz der schönen Landschaft wenig Spaß. Eventuell ein Grund, wieso die Wegführung geändert wurde.

Zurück möchte ich aber auch nicht mehr und somit steige ich weiter für längere Zeit über schlecht gepflegte Wege bergab. Irgendwann komme ich immerhin auf eine Straße und darf von dort aus wieder zu einem Staudamm und dann weiter zum eigentlichen Zwischenziel meiner heutigen Wanderung aufsteigen. Der Umweg hat mich sicher zwei Stunden und einige Nerven gekostet.

Vom Refugio Pudenzzini kommt ein erneuter Anstieg mit 600 Höhenmetern auf mich zu. Der Weg ist deutlich besser und somit auch einfacher zu gehen. Oben kommt wieder ein anstrengenderes Blockfeld, welches ich aber schnell hinter mir lassen kann. Somit erreiche ich bald den Pass und muss auf der anderen Seite nur noch hinunter.

Der Abstieg ist leider ebenfalls steil und lange Zeit im Gestein unterwegs. Mittlerweile merke ich die Belastung für die Knie und sehne mich danach endlich unten anzukommen. Der Weg zieht sich noch etwas, aber bald komme ich dann tatsächlich unten am Fluss an, worüber ich mich doch etwas freue. Von hier aus geht es nochmals etwa eine Stunde am Fluss entlang weiter bis zu meinem eigentlichen Etappenziel, das Refugio Lissone, welches schon von weitem zu sehen ist.

Auch hier bekomme ich noch einen Platz im gut gefüllten Lager. Anscheinend bin ich der einzige nicht Italiener auf der Hütte.

Beim Abendessen sitze ich alleine. Erst gibt es Nudelsuppe mit Bohnen und danach Polenta und Fleisch vom Schaf oder von der Ziege. Ganz sicher bin ich mir nicht und die junge Bedienung war sich auch nicht sicher, ob sie das richtige auf Englisch sagt. Schmecken tut es mir trotzdem und ich bekomme auch nochmal Nachschlag. Als Nachspeise gibt es noch leckeren Kuchen und zu dem Ganzen trinke ich heute Rotwein.


Nach dem Essen lese ich noch etwas am Tisch und gehe dann schlafen.

Überblick
Dss Ende meiner langen Reise rückt langsam, aber sicher näher. Die letzten Tage war ich in der mir zuvor eher unbekannten, aber wunderschönen Adamellogruppe unterwegs, die ich morgen wahrscheinlich über eine schöne Gratwanderung verlassen werde. Danach kommen auch schon die Brescianer Voralpen auf mich zu, die dann wohl mit kleineren Bergen den Abschluss meiner Tour nach Brescia bilden werden.
Wenn das Wetter einigermaßen so bleibt, sollte ich es tatsächlich schaffen, am 28. Tag in Brescia anzukommen. Aber lieber mal abwarten, denn die Wetterprognose hat leider weiterhin viele Sommergewitter angekündigt.
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