Aufbruch nach Italien: Das Abenteuer beginnt in Jöhlingen

Endlich ist es wieder soweit! Hinter mir liegen einige stressige Wochen: jede Menge Überstunden auf der Arbeit, dazu in meiner Freizeit noch mehrere Einsätze als Hobby-Gärtner für Familienmitglieder im Urlaub – und obendrein ein Unwetter, das mir große Teile meines Gartens zerlegt hat. Entsprechend sehnlich habe ich auf diesen Urlaub gewartet.

Umso schöner, dass ich jetzt endlich 3,5 bis 4 Wochen frei habe und meine lang ersehnte Wanderung starten kann. Die nächsten Wochen werde ich hoffentlich den Alltag hinter mir lassen, wieder wandern und die Zeit draußen in der Natur genießen.

Ursprünglich wollte ich direkt nach der Arbeit losziehen. Da aber noch ein paar Dinge zu erledigen und mein Rucksack noch nicht gepackt waren, verschiebe ich den Start kurzerhand auf morgen.

Am Abend gehe ich meine Ausrüstung noch einmal in Ruhe durch und checke, ob ich auch wirklich nichts vergessen habe. Dann kommt alles in den Rucksack, der seinen Platz an der Wand im Flur bekommt. Dort darf er nun bis morgen auf mich warten, während ich mir noch einen entspannten Abend und eine erholsame Nacht gönne, bevor es dann endlich losgeht.

Hier noch ein Bild meiner Ausrüstung für diese Tour. Auffällig: Das Essen macht gefühlt gut ein Drittel des gesamten Gewichts aus 😄

Tag 1 – Jöhlingen bis Waldschlösschen Winsheim – Donnerstag 23.07.2026

35,9 km / H 750m / R 450m

Um 7 Uhr klingelt der Wecker. Ich nehme nochmals eine ausgiebige Dusche. Danach lasse ich mir einen leckeren Americano raus und frühstücke im Garten. Bis ich die letzten Sachen in der Wohnung aufgeräumt habe und endlich loskomme, ist es bereits 9 Uhr. Bei schönem Wetter wandere ich entspannt aus dem Ort hinaus.

An den Weinbergen vorbei geht es direkt nach Wössingen und von dort aus weiter nach Stein. Unterwegs auf den mir bekannten Wegen bekomme ich den Schwarzwald zu Gesicht.

Die meiste Zeit bin ich heute im Wald oder auf geteerten Feldwegen unterwegs. Immer wieder wechselt die Landschaft. Obwohl ich absolut untrainiert bin, fällt mir das wandern einfach und ich komme gut voran.

Als ich gegen 12 Uhr an einer Bank kurz Pause mache, kommt ein älteres Paar, geschätzt über 60, mit großen Rucksäcken vorbei. Ich komme mit ihnen ins Gespräch und wir sich herausstellt, wandern sie auf dem E1, dem längsten Fernwanderweg Europas, bis nach Konstanz. Als ich ihnen erzähle, dass ich erst heute morgen los bin, aber noch 800km vor mir habe, müssen sie doch schmunzeln.

Nach der Pause geht es zuerst weiter durch den Wald und vor Ispringen nochmals nach oben, von wo aus man einen schönen Blick hat.

Danach kommt leider ein etwas unschöner Teil. Ich muss durch Pforzheim hindurch und werde direkt am Ortsschild dementsprechend begrüßt.

An einer viel befahrenen Straße muss ich auf einem kleinen Pfad direkt neben den Autos entlang laufen. Auch in der Stadt ist mir viel zu viel los und daher bin ich froh, als ich endlich auf der anderen Seite wieder raus komme und auf ruhigen Waldpfaden weiter wandern darf.

Entspannt spazieren ich weiter bis zum Seehaus, einem kleinen Restaurant an einem See, wo ich zum Abendessen mit meinem Bruder und seiner Familie verabredet bin. Da ich zu schnell unterwegs war, lege ich mich auf einer Wiese noch hin, mache einen späten Mittagsschlaf. Dann setzte ich mich in den Biergarten, gönne mir ein kaltes Radler und lese ein bisschen.

Später kommt dann mein Bruder mit seiner Familie und wir essen zusammen zu Abend. Nach ca. 1,5h fahren sie wieder nach Hause und ich mache mich erneut auf den Weg, da ich noch ca. 4km bis zu meinem geplanten Nachtplatz wandern muss.

Es geht die ganze Zeit durch Wald und als ich an der angedachten Hütte ankomme, ist diese leider sehr zugewachsen und wenig einladend. Daher laufen ich nochmals einige hundert Meter weiter bis zum Waldschlösschen Winsheim.

Ich entscheide mich hier zu bleiben und schlage mein Zelt auf einem schon gemäten Rasen auf, wo es sogar Bänke zum Sitzen gibt. Bis ich mein Zelt aufgebaut und mich Bett fertig gemacht habe, ist es dann auch schon 10 Uhr und ich schlafe schnell ein.

Tag 2 – Waldschlösschen Winsheim bis Musberg – Freitag 24.07.2026

41,3km / H 760m / R 760m

Das Rauschen der nahe gelegenen Autobahn hatte in der Nacht etwas meditatives und somit konnte ich auch einigermaßen gut schlafen. Am Morgen hat es auf ca. 10 Grad abgekühlt, was zum Schlafen ganz angenehm war.

Um halb 7 stehe ich auf und packe direkt alles zusammen. Ich merke, dass ich mit meinem neuen Zelt noch etwas Übung brauche. Eine halbe Stunde später bin ich aber trotzdem auf dem Weg.

Durch den noch ruhigen Wald wandere ich direkt bis nach Tiefenbronn und komme dabei an einigen alten Grenzsteinen vorbei, welche die Grenze zwischen Baden und Württemberg markieren.

In Tiefenbronn angekommen, gehe ich in eine Bäckerei, trinke einen Kaffee und esse eine Kleinigkeit. Dann mache ich mich auch schon wieder auf den Weg.

Auch heute wechselt die Landschaft immer wieder zwischen Wald und Feldwegen. Im Gegensatz zu gestern ist es es aber bereits großteils Mischwald und kaum Nadelholz.

Während es im Wald angenehm zu wandern ist, brennt auf den freien Feldwegen die Sonnen regelrecht auf mich herab. Obwohl es nicht sonderlich heiß ist, spüre ich die Kraft der Sonne und freue mich auf die längere Abschnitte im Schatten der Bäume, auch wenn die Landschaft außerhalb oft spektakulärer aussieht.

Mittlerweile überwiegt der Wald und es passiert relativ wenig. Ich treffe kaum Menschen und nur selten größere Tiere wie Rehe. In einem Naturschutzgebiet ändert sich der Wald für einige hundert Meter und wirkt eher wie in Spanien als typisch deutscher Wald.

Der Weg läuft so vor sich hin und ich lasse meine Gedanken schweifen. Ich komme an Orten wie Heimsheim vorbei und treffe unterwegs Kühe.

Auf einmal stehe ich direkt vor einem großen Bürokomplex von Bosch, der nach einer Abbiegung aus dem Wald direkt vor mir auftaucht. Ebenso schnell wie er gekommen war, lasse ich ihn auch schon wieder hinter mir und wandere weiter durch den Wald.

Zunehmend spüre ich, dass sich eine kleine Blase an der rechten Ferse bildet. Da ich denkbar untrainiert aufgebrochen bin, mache ich präventiv ein Blasenpflaster auf die Stelle und nutze die kleine Pause danach, um eine Stärkung einzunehmen.

Danach wandere ich weiter durch den kühleren Wald. Es geht immer wieder auf und ab, und über Straßen hinweg. Zwischendrin sind immer wieder Lichtungen mit Wiesen.

Den Aufstieg zum Eltinger Blick lasse ich mir nicht nehmen und bekomme tatsächlich einen schönen Blick auf die Stadt vor mir.

Auch danach geht es wieder hauptsächlich durch den Wald voran.

Irgendwann bin ich auf einer alten Panzerstraße unterwegs. Der gepflasterte Boden wirkt in gewisser Weise suspekt so mitten im Wald. Auch wenn die Straße schön aussieht und für einige Fahrradfahrer als schöne Abfahrt genutzt wird, so ist es für mich eher unangenehm, da ich den harten Stein direkt in meinem Gelenken spüre. Trotzdem gehe ich immer weiter und freue mich wenig später wieder sanften Waldboden.

Im Biergarten beim Katzenbacher Hof halte ich nach 32 km an und trinke eine Spezi. Das kalte Getränk mit dem vielen Zucker tut nach der bereits zurückgelegten Strecke besonders gut.

Nach einer längeren Pause mache ich mich an die letzten Meter bzw. Kilometer des Tages. Erneut geht es hauptsächlich durch den Wald und am Abend nochmals ein bisschen nach oben.

Nach etwas mehr als 40km finde ich eine kleine Lichtung mit einer Streuobstwiese. Weiter oben am Hang baue ich mein Zelt auf und koche mir mein Abendessen bei Sonnenuntergang.

Nach dem Essen lese ich noch bis um 9 Uhr und schlafe danach erschöpft ein. 40km war dann wohl doch ein bisschen viel für den zweiten Tag.

Tag 3 – Musberg bis Girsberg – Samstag 25.07.2026

42km / H 1080m / R 720m

Heute hatte ich zwar kein Autobahnlärm, aber anscheinend bin ich direkt neben dem Flughafen. Immer wieder habe ich Flugzeuge gehört, konnte aber trotzdem gut schlafen.

Früh am Morgen stehe ich auf, um noch vor den ersten Spaziergängern mein Zelt abzubauen.

Während ich mein Zelt abbauen, geht hinter mir langsam die Sonne auf und somit leuchtet die Landschaft in schönem morgendlichen Licht.

Mit allen Sachen im Rucksack mache ich mich direkt auf den Weg. Erneut geht es durch den Wald und an kleinen Bachläufen entlang.

Ich komme an einem Stausee vorbei, wo ich mir auf einer Bank meinen morgendlichen Kaffee koche, bevor ich weiterlaufe.

Ich treffe auf Kühe im Kuhstall und offensichtlich sehr alte Eichen im Wald. Die großen Bäume sind wirklich beeindruckend und ich verstehe mal wieder, warum vorherige Zivilisationen diese Bäume verehrt haben.

Während ich am Morgen noch die meiste Zeit im Wald unterwegs war, bin ich zur Mittagszeit häufig auf Feldern unterwegs und muss somit auf den wohltuenden Schatten der Bäume verzichten.

Bei einer katholischen Jugendanstalt finde ich eine sehr passende Anbringung des Jakobswegzeichens. Im Notfall hier treffen und dann ab nach Santiago. Das gefällt mir.

Später komme ich wieder durch städtische Gebiete. In Wannweiler setzte ich mich einige Zeit in eine Kirche, deren kühle Luft gut tut.

Am Ortsausgang von Betzingen gehe ich im Vereinsheim Abendessen. Anscheinend ist heute Vereinsfest. Draußen spielt Musik und die Terrasse ist für Mitglieder gesperrt.

Ich esse ein Jägerschnitzel und trinke ein Bier, bevor ich mich zu Fuß an den letzten Abschnitt des Abends mache.

Nachdem ich bereits über 35 km hinter mir habe, wirkt der 300 Höhenmeter Anstieg, den ich vor mir habe, als ziemlich groß.

Ich schleppe mich den Berg hinauf und werde oben von einem schönen Landschaftsschutzgebiet belohnt.

Das Gras wird durch die späte Abendsonne wunderschön golden angestrahlt. Da es bereits nach 20 Uhr ist, habe ich die ganze Natur für mich alleine und ich genieße den Anblick hier oben.

Da ich aber hier nicht Zelten möchte, wandere ich weiter und verlasse das Schutzgebiet.

Es geht nochmals durch den Wald nach oben, bevor ich am Gipfel den Wald verlasse.

Etwas unterhalb finde ich einen schönen Platz auf einer Wiese für mein Zelt.

Bis ich mein Zelt aufgebaut habe, ist bereits kurz vor 22 Uhr. Zum Glück habe ich bereits Abend gegessen und somit trinke ich noch Wasser, putze die Zähne und gehe dann direkt schlafen.

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f.hoehn
f.hoehn

31 Jahre alter Abenteurer aus der Nähe von Karlsruhe. Liebt Fernwanderungen aller Art und ist seit 2023 bereits mehr als 10.000 Kilometer gewandert. Verbringt die Zeit zu Hause gerne mit Kaffee trinken oder Pizzabacken.

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