Zurück in den Vogesen – Training für den großen Urlaub

Es ist eindeutig zu viel Zeit seit meinem letzten Blogpost und erst recht seit meiner letzten mehrtägigen Wanderung vergangen. Doch jetzt rückt mein langersehnter Urlaub endlich näher und mir wird bewusst, dass ich langsam etwas trainieren sollte.

Statt wieder vor dem Rechner zu sitzen, möchte ich das lange Wochenende nutzen, um endlich mal wieder mit dem Rucksack durch die Landschaft zu ziehen, den Kopf frei zu bekommen und meinen Körper langsam aber sicher an die nächste längere Tour zu gewöhnen.

Nachdem ich den Wetterbericht studiert hatte, fiel meine Entscheidung schnell auf die Fortsetzung meiner Vogesen-Durchquerung, welche ich letzten Dezember begonnen hatte. Von Karlsruhe aus mit der Bahn bequem erreichbar, sind die Vogesen für mich ein ideales Ziel, um kurzfristig dem Alltagstrott zu entfliehen und ein paar Tage abschalten zu können.

Auf dem Programm steht die 3. Sektion der Vogesendurchquerung – 75 km in drei Tagen.

Beginnen möchte ich im elässischen Saverne (Zabern), wo ich im Dezember meine letzte Etappe beendet hatte. Von dort führt der Weg durch die zunehmend bergiger werdenden Mittelvogesen. Entlang des Kamms führen mich hoffentlich kleine Pfade über die ersten Gipfel, welche die 1000 Höhenmeter knacken, und endet in Schirmeck, von wo aus ich am Sonntag wieder mit dem Zug die Rückreise antreten werde.

Mein Rucksack ist wie immer schnell gepackt, das Zugticket gebucht. Morgen kann es endlich wieder losgehen.

Tag 1 – Saverne bis Schneeberg – Freitag 05.06.2026

30,7 km / H 1530 m / R 770 m

Um 5:30 Uhr klingelt mein Wecker und ich stehe direkt auf. Ich nehme nochmals eine letzte Dusche und frühstücke noch kurz, bevor ich mich mit Rucksack und Zelt auf den Weg zum Bahnhof mache. Von dort aus geht es in knapp 3 Stunden über Strasbourg bis nach Saverne, wo ich meine Tour starten möchte.

Ich kaufe noch schnell im Supermarkt ein paar letzte Sachen ein und laufe dann auch schon los.

Auf ein langsames Einlaufen muss ich anscheinend verzichten, denn es geht direkt nach oben. Auf den ersten Metern komme ich zwar ziemlich zum Schnaufen, aber nach ca. 20 Minuten habe ich mich wieder daran gewöhnt. Lediglich meinem Pullover muss ich mich noch entledigen, bevor ich dann bald wieder mit normalem Tempo den Berg hinauf steige.

Auf Highlights muss ich auch nicht lange warten. Bereits nach wenigen Kilometern besichtige ich mit der Haute-Barr eine erste Burgruine, von wo aus ich einen schönen Blick auf die Umgebung bekomme.

Verglichen mit dem dichten Nebel, welchen ich letzten Dezember anzutreffen hatte, ist die Aussicht schon eine echte Augenweite.

Ich laufe weiter lange Zeit durch den ruhigen Wald und ich merke, wie ich bereits nach nach kurzer Zeit den Alltagsstress vergessen habe. Schnellen Schrittes wandere ich immer wieder auf und ab.

Irgendwann treffe ich auf Raphael, einen Franzosen, der vor 5 Tage auf dem Hexatreck gestartet ist und noch knapp 3000 Kilometer vor Sicht hat. Ich laufe knapp eine Stunde mit ihm zusammen und wir unterhalten uns über seine Tour und andere Dinge. Als er dann eine Mittagspause machen möchte, laufe ich wieder alleine weiter.

Es kommen weitere Aufstiege auf mich zu. Ich komme an einer schönen Kirche auf einem Berg vorbei, welche mich in gewisser Weise an Le Puy en Valley erinnert. Da ich noch einige Kilometer vor mir habe und noch höher hinaus möchte, spare ich mir den Anstieg, auch wenn man von oben wahrscheinlich eine sehr schöne Sicht haben würde.

Es geht längere Zeit durch den Wald bergab, bis ich Wangenbourg-Engenthal erreiche. Dort steige ich ein paar Höhenmeter zum Supermarkt hinunter, um meine Wasservorräte aufzufüllen. Mit vollem Rucksack geht es dann dann nochmals zum letzten Anstieg des Tages. Knapp 600 Höhenmeter trennen mich vom Gipfel des Schneebergs, wo ich heute übernachten möchte.

Der Anstieg zieht sich ziemlich in die Länge und umso froher bin ich, als ich endlich oben ankomme.

Ich treffe noch andere Wanderer, welche auch hier schlafen wollen und somit baue ich schnell mein Zelt auf, da vermutlich noch mehr kommen werden.

Tatsächlich kommen immer mehr Hiker dazu. Die meisten davon sind auf dem Hexatreck, einem Thruhike durch Frankreich unterwegs. Beim Abendessen tauschen wir uns aus und erzählen uns gegenseitig, welche Touren wir bereits gemacht haben und welche wir noch gerne machen würden. Tatsächlich waren einige der Leute hier schon häufiger unterwegs. PCT, CDT, AT, TA, … viele der großen Wanderwege der Welt sind vertreten und ich bekomme regelrecht wieder Lust auch eine längere Tour zu laufen. Am liebsten würde ich den anderen auf ihrer aktuellen Tour einfach folgen, muss mich aber leider mit den drei Tagen zufrieden geben. Mal schauen wie das auf Dauer bei mir ausgeht.

Als nach dem Essen langsam Fliegen aufkommen, worauf ich keine Lust habe, verziehen ich mich wie einige andere ins Zelt. Ich schreibe noch kurz am Blog und lese danach noch etwas, bevor ich erschöpft einschlafe. Immerhin habe ich nach einem verspäteten Kaltstart heute doch noch 30km mit 1500 Höhenmetern in gerade einmal 6,5h absolviert, worüber ich doch ganz froh bin.

Tag 2 – Schneeberg bis Donon – Samstag 06.06.2026

39,6 km / H 1400 m / R 1400 m

Obwohl es heute Nacht einige Schnarcher direkt neben mir gab, habe ich einigermaßen gut geschlafen. Trotzdem müssen meine Muskeln und Gelenke erstmal in Gang kommen und das Aufstehen fällt mir schwer. Ich packe trotzdem alles zusammen und laufe direkt los.

Bereits nach wenigen Minuten erreiche ich eine Bank mit Aussicht, auf der ich mich niederlasse und mir meinen morgendlichen Kaffee koche.

Danach geht es für mich längere Zeit durch den Wald bergab. Ich komme dabei schnell voran und lasse schon bald alle anderen Hiker hinter mir.

Ich entscheide mich zur Cascade de Nideck hinabzusteigen. Unten angelangt bin ich froh um diese Entscheidung und betrachte mir den großen Wasserfall und die vielen kleinen Stufen, in dem das Wasser den Berg hinabrauscht.

Danach geht es eher unspektakulär weiter durch den Wald. Immer leicht auf und ab. Unterwegs esse ich ein kleines Vesper (natürlich gibt es in Frankreich Baguette) und laufe danach weiter durch die ruhige Landschaft.

Ich begegne so gut wie keinen Menschen und außer dem Gezwischer der vielen Vögel, bin ich in absoluter Ruhe unterwegs.

Gegen 11 Uhr komme ich in dem kleinen Ort Urmatt an. Dort kaufe ich in einem Dorfladen ein Schokocroissant und eine Cola, welche ich danach auf einer Parpbank zu mir nehme. Mein Wasser fülle ich an einem der zahlreichen Trinkwasserbrunnen auf und mache mich dann auch schon an den größten Anstieg des Tages.

Immerhin geht es für mich etwa 750 Höhenmeter hinauf bis zum Gipfel des Mutzigfels (1010 m). Anstelle von Forstwegen bin ich bald auf kleinen schmalen Wegen unterwegs, die von Wurzeln und Steinen durchzogen sind.

Es geht eigentlich die ganze Zeit nach oben und Verschnaufpausen gibt es kaum. Ich ziehe den Anstieg trotzdem ohne wirkliche Pause durch, da ich oben meine verspätete Mittagspause nachholen möchte.

Unterwegs komme ich noch am Porte de Pierre vorbei. Ob es sich dabei um eine natürliche Felsformationen handelt oder einen keltischen Ursprung hat, ist nicht genau belegt. Interessant aussehen tuen sie aber trotzdem.

Von hier aus geht es zwar etwas entspannter bergauf, aber trotzdem weiter nach oben. Immerhin ist es im Wald angenehm kühl und somit bleibt der Anstieg erträglich.

Trotzdem bin ich schweißdurchdrenkt, als ich endlich den Gipfel erreiche. Immerhin werde ich mit einem schönen Panorama belohnt und somit ist die Anstrengung schnell vergessen.

Ich lasse mich auf einem der großen Felsen, welche hier am Gipfel zahlreich vertreten sind, nieder und mache ein kleines Nickerchen in der Sonne. Danach koche ich mir einen Tasse Kaffee und genieße die Landschaft vor mir. Es tut richtig gut, mal wieder hier im Nirgendwo zu sitzen und die Landschaft, mit den Bergen und Dörfern weiter unten zu betrachten, und einfach nichts zu tun.

Nach ca. 45 Metern packe ich meine Sachen wieder zusammen und mache mich erneut auf den Weg. Es geht zuerst entspannt über breitere Wege bergab und bald auf kleinen Waldpfaden, welche mich teilweiße an Abschnitte des PCTs in Washington erinnern, weiter.

Leider habe ich an der letzten Quellen vor dem Gipfel mein Wasser nicht mehr aufgefüllt und ich finde weder einen brauchbaren Bachlauf, noch eine Quelle. Auch auf meinen Karten kann ich keine wirklich brauchbaren Quellen direkt am Wegesrand erkennen. Da mein Wasser mittlerweile aber komplett leer ist , ich bisher zu wenig getrunken habe und auch nicht mehr bis ins nächste Dorf absteigen möchte, muss ich irgendwo dennoch Wasser auffüllen. Die einzige zuverlässige Quelle liegt leider etwas abseits des Weges. Dabei handelt es sich um den Ursprung der Weißen Saar. Dafür muss ich leider knapp 1,5 Kilometer den Berg hinabsteigen, welche ich danach auch wieder nach oben muss. Immerhin gibt es an der Quelle tatsächlich sehr leckeres Wasser und ich kann meine Reserven auffrischen.

Danach muss ich mit vollen Flaschen alles wieder nach oben und ziemlich erschöpft komme ich am eigentlichen Trail an.

Von dort aus mache ich mich an den letzten Anstieg des Tages auf den Donon (1009 m). Kurz bevor der Weg deutlich anzieht, treffe ich einige Wanderer von gestern wieder, die an der Schutzhütte vor dem Berg übernachten. Sie erzählen mir, dass 200 Meter entfernt eine gute Quelle sein soll. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir den Abstieg zuvor sparen können. Ich trinke eine Flasche leer, während ich mit den Wanderern erzähle. Danach laufe ich zur Quelle, fülle nochmals mein Wasser auf und besteigen den Donon, welcher ein bedeutender Berg der Kelten und später der Römer war.

Oben angekommen, bekomme ich den Tempel im römischen Stile zu Gesicht. Leider ist dieser aber nicht zu Zeiten der Römer, sondern erst später unter Napoleon III erbaut worden, als dieser hier zu Besuch war. Trotzdem wirkt er in gewisser Weise mystisch.

Das Panorama, welches ihm zu Füßen liegt ist ebenso traumhaft und ich verbringe einige Minuten damit die Aussicht zu genießen. Besonders das Licht, welches durch die Wolken auf die Berge trifft, beeindruckt mich sehr.

Leider ist es direkt am Gipfel etwas zu windig, um hier oben zu übernachten. Somit mache ich mich nach einigen Bildern wieder auf den Weg weiter nach unten, um dort einen Platz für die Nacht zu suchen.

Unterhalb des Gipfels treffe ich auf einige der Leute, mit denen ich gestern zusammen gezeltet hatte. Dort gibt es bereits ein regelrechtes Lager mit Zelten und ich entscheide mich dazu, meins einfach dazwischen aufzubauen.

Ich setze mich zu den anderen und koche mir noch mein Abendessen. Gerade als ich fertig bin, ziehen dunkle Wolken über uns hinweg und es fängt an zu regnen. Somit verschwinden alle schnell in ihren Zelten. Ich lese noch ein paar Minuten, schlafe dann aber auch schnell ein, während der Regen auf mein Zelt prasselt.

Tag 3 – Donon bis Schirmeck – Sonntag 07.06.2026

11,9 km / H 70 m / R 730 m

Durch den Regen in der Nacht und die Feuchtigkeit in der Gegend, ist mein Zelt am Morgen leider nass. Ich baue trotzdem alles zusammen, verabschiede mich noch von einigen Wanderen und wünsche ihnen viel Glück auf ihrer weiteren Wanderung. Dann laufe ich um kurz nach 7 Uhr auch schon wieder los.

Heute habe ich nur eine kurze und wenig spektakuläre Strecke vor mir. Es geht im Grund die ganze Zeit leicht bergab durch den Wald. Manchmal auf breiten Forstwegen, dann kurz entlang einer wenig befahrenen Straße und wieder auf kleinen Pfaden durch den Wald.

Viel zu sehen gibt es nicht und da es auch keine nennenswerten Anstiege gibt, ist es mehr ein Auslaufen anstatt eine anstrengende Wanderung.

Bereits um kurz vor 10 Uhr komme ich in Schirmeck an, wo meine Wanderung für mich endet.

Von hier aus fahre ich mit dem Zug zuerst nach Straßburg, dann mit dem TGV nach Karlsruhe und mit der S-Bahn zurück nach Hause.

Somit endet für mich das Kurzabenteuer auf dem GR53 in den Vogesen. Durch meine Fortsetzung der Wandeurng von Dezember, habe ich nun immerhin knapp die Hälfte der Strecke bis nach Belfort absolviert. Im Gegensatz zu letztem Jahr, begegnete ich an diesem Wochenende etlichen anderen Wanderern und hatte dank des guten Wetters auch schöne Aussichten und somit einen ganz anderen Blick auf die Vogesen gewonnen.

Insgesamt eine, zumindest für den Geist, sehr erholsame Wanderung und eine nette Abwechslung zum Alltag. Ich freue mich schon auf die nächste größere Wanderung.

f.hoehn
f.hoehn

31 Jahre alter Abenteurer aus der Nähe von Karlsruhe. Liebt Fernwanderungen aller Art und ist seit 2023 bereits mehr als 10.000 Kilometer gewandert. Verbringt die Zeit zu Hause gerne mit Kaffee trinken oder Pizzabacken.

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