Tag 65 – Nogaro bis Aire-sur-l’Adour (28,2 km) – Sonntag 03.09.2023
Nach einer angenehmen Nacht in meinem weichen Bett tat ich mir schwer aufzustehen. Trotzdem stieg ich irgendwann auf und ging hinunter zum Frühstück. Dort aß ich eine Weile verschieden Sachen und genoss ein paar Tassen Kaffee. Neben mir saßen zwei Frauen, welche sich auf Deutsch unterhielten. Jene Frauen sollte ich später am Tag nochmals antreffen.
Gegen halb 9 verließ ich die Unterkunft dann endlich und lief los. Schnell traf ich auf die 4er-Gruppe von gestern und gesellte mich zu ihnen. Mit einem der Gruppe, welcher gutes Englisch konnte, unterhielt ich mich eine Weile. Als sie dann eine Pause einlegten, lief ich aber wieder alleine weiter.
An einer Pilgerrast traf ich dann wieder auf die Frauen vom Frühstück. Als ich sie fragte, woher sie kommen, freuten sie sich endlich einen Deutschen anzutreffen und fragten mich über meine Reise aus. Sie liefen anscheinend auch jedes Jahr für knapp zwei Wochen und waren vor einigen Jahren in Köln gestartet.
Als ich meine Getränk ausgetrunken hatte, verabschiedete ich mich von den Frauen und machte mich wieder auf den Weg.




In der flachen Landschaft kam ich schnell voran und somit schaffte ich trotz meines späten Startes einiges an Strecke zurückzulegen. Heute kam ich immer wieder an Weinbergen vorbei und probierte auch einige der Trauben, um deren Qualität zu testen, welche mittlerweile ganz in Ordnung war. Zwischendrin kam ich noch an alten Gebäuden vorbei, welche früher wohl zum Waschen vom Kleidern und heute hauptsächlich zum Baden genutzt werden.

Im einzigen Ort auf meiner heutigen Tour kaufte ich mir ein Sandwich zum Mittagessen und ruhte mich dort ein wenig aus. Danach ging es wieder durch den Wald weiter. Da ich schnell unterwegs war, überholte ich einige Pilger.
Um halb 4 kam ich dann in Aire-sur-l’Adour an und lief dort auf den Campingplatz des Ortes. Ich wusch noch kurz meine Kleider und kochte mir dann auch schon mein Abendessen. Nach dem Essen lief ich nochmals zum Flussufer und setze mich dort auf eine Bank, trank dabei eine Dose Bier und hörte entspannt dem Rauschen des Wassers zu. Später lief ich dann wieder zurück zum Campingplatz und ging schlafen.


Tag 66 – Aire-sur-l’Adour bis Arzaq-Arraziguet (38,7 km) – Montag 04.09.2023
Nachdem ich mein Zelt am Morgen abgebaut hatte, verließ ich den Campingplatz wieder und setze mich erneut an das Flussufer, um dort mein Frühstück zuzubereiten. Aufgrund meines ausgiebigen Frühstücks kam ich auch heute erst gegen 9 Uhr los.

Zuerst schaute ich mir die Stadt genauer an und machte einen Abstecher in die sehenswerte Kathedrale. Danach ging es über steile Straßen hinauf und ich verließ dort die Stadt endgültig.





Auf den ebenen Wegen durch endlose Maisfelder kam ich schnell voran. Zwischendrin ging es fast 13 km über eine Straße nur durch Maisfelder und am Ende war ich dann froh, dass ich die Straße endlich mal verlassen durfte und wieder auf Feldwege wechseln konnte. Ansonsten änderte sich die Landschaft aber wenig und irgendwie sah heute fast alles gleich aus, was ein wenig langweilig war.
Nach knapp 27 km kam nochmal ein kleiner, aber anstrengender Anstieg. Da ich aber nichts mehr zum Essen hatte, musste ich auf der anderen Seite wieder absteigen und fast 6 km in den nächsten Ort laufen, um dort mein Abendessen zu kaufen.




Mit gefüllten Taschen machte ich mich dann auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Leider war es nicht einfach einen Platz zu finden. Entweder waren die Hänge zu steil oder die Felder voller Mais und daher ungeeignet, um dort mein Zelt aufzuschlagen. Daher lief ich einfach weiter.
Als ich dann nach fast 39 km an einem Camping-Hostel vorbeikam, entschloss ich mich dort hinzugehen. In dem sehr alternativen Campingplatz stellte ich mein Zelt im Garten einer Familie auf. Dann konnte ich eine Gartendusche benutzten, bei der ich den Gartenschlauch mit kaltem Wasser zur Verfügung hatte. Das kalte Wasser war nach dem langen Tag aber eine regelrechte Wohltat und reichte vollkommen aus.
Danach bereitete ich mir mein eingekauftes Abendessen zu. Als ich gerade beim Essen war, setzte sich ein anderer Pilger zu mir, welchen ich bereits vor zwei Tagen getroffen hatte. Er konnte zwar kein besonders gutes Englisch, aber trotzdem konnten wir uns gut verständigen. Als ich ihm dann eines meiner gekauften kleinen Biere anbot, freute er sich sehr über das kalte Getränk und war hin und weg, das sich ihm eins anbot. Wir tranken also zusammen unser kleines Bier und unterhielten uns über die bisherigen Strecken und die nächsten Etappen, was aufgrund der Sprachbarriere nicht immer gelang.
Später kochten uns die Gastgeber sogar noch etwas zum Abendessen und obwohl ich gerade erst gegessen hatte, aß ich nochmals mit ihnen mit. Danach tranken wir noch Chicorée-Tee, welcher hier anscheinend traditionell als Kaffeeersatz getrunken wird. Als es dunkel wurde, ging jeder in sein Zelt schlafen.
Tag 67 – Arzaq-Arraziguet bis Arthez-de-Béarn (29 km) – Dienstag 05.09.023
Früh am Morgen stand ich heute auf und baute mein Zelt auf dem alternativen Campingplatz auf. Da mich ab heute Abend mein Freund Tobias aus Jöhlingen besuchen kommen wird, musste ich mich beeilen, um pünktlich am abgesprochenen Campingplatz anzukommen.
Der Weg führte direkt durch schöne Landschaften mit vielen Hügeln. Am Morgen war die Umgebung noch voller tief stehender Wolken, welche von der Sonne angestrahlt wurden. Immer wieder ging es auf und ab durch Wiesen und kleine Dörfer.



In einem der Dörfer kaufte ich mir in einem kleinen Laden ein Stück Pizza und trank dazu eine Cola. Da ich wirklich schnell gelaufen war und somit schon einiges an Strecke zurückgelegt hatte, ruhte ich mich in einem kleinen Park noch für einige Minuten aus, ehe ich mich dann wieder auf den Weg machte.




Es folgten weitere Abschnitte durch hügeliges Gebiet und in der Ferne konnte ich bereits die größeren Gipfel der Pyrenäen erblicken. Bei schönem Wetter war die Landschaft wunderbar zu durchwandern. Bald kam ich dann auch schon am Zielort meiner heutigen Etappe an. Da ich noch ein wenig Zeit hatte, es kurz vor dem Ziel eine Bank mit schöner Aussicht gab, machte ich dort nochmals eine kleine Pause.


Dann stieg ich zum Campingplatz hinab und kurz davor kam mir dann auch schon Tobias entgegen, welcher mich für die nächsten Wochen auf meiner Reise nach Santiago begleiten wird. Zusammen liefen wir also zum Campingplatz und bauten dort unsere Zelte auf. Später gingen wir nochmals zum Ort hinauf und setzen uns in das einzige Restaurant, welches im Ort heute etwas zum Essen anbot. Dort tranken wir zusammen ein Bier und es gab mal wieder Burger.
Nach dem Essen liefen wir wieder zurück zu unseren Zelten und gingen schlafen.
Tag 68 – Arthez-de-Béarn bis Navarrenx (31,9 km) – Mittwoch 06.09.2023
Heute hatte ich nicht sehr gut geschlafen. Unsere Kleider waren leider noch nasser als gestern vor dem Aufhängen und somit konnten wir sie nicht in den Rucksack einpacken. Wir tranken noch auf dem Campingplatz einen Kaffee und aßen eine Kleinigkeit zum Frühstück, ehe wir uns dann gemeinsam auf den Weg machten.
Der Weg startete heute entlang einer Straße durch Maisfelder und war aufgrund der vielen Autos nicht besonders schön. Trotzdem legten wir schnell einiges an Strecke zurück und hatten bald die ersten 10 Kilometer hinter uns gelassen. In Maslaq kauften wir in einem kleinen Laden ein bisschen was zum Essen für den Abend und für ein kleines Vesper ein, welches wir direkt danach auf einer Bank im Ort verspeisten.



Es folgten weitere Felder und die Temperaturen stiegen langsam an. Wir liefen bei den warmen Temperaturen immer weiter und es ging meistens durch Felder und Wald. Zwischendrin kamen wir auch an einer alten Kirche vorbei.



Nach ca. 19 km erreichten wir dann Sauvelade. Dort setzen wir uns in einer kleinen Bar hin und planten die nächsten Schritte. Irgendwann kam der Besitzer der Bar und wir kauften uns Wasser mit Sirup zur Erfrischung. Später zeigte uns der Besitzer der sehr interessanten Bar noch ein paar Sachen für unsere weitere Reise. Er gab uns Tipps, wo wir gut baden konnten und welche Route wir am besten nehmen sollten, um an die Küste zu kommen, wo wir dem Camino del Norte folgen wollen. Er selber sein den Weg schon mit seiner Tochter gelaufen und war dabei auch mit dem Zelt unterwegs gewesen. Außerdem zeigte er uns noch, wo wir auf unserer heutigen Etappe noch Wasserstellen für den Abend finden konnten und gab mir einen Stempel in mein Pilgerheft.


Danach liefen wir dann wieder bei sommerlichen Temperaturen weiter und bei den folgenden Anstiegen kamen wir sehr ins Schwitzen. Später kam zum Glück ein längeres Stück im Wald, in welchem das Laufen doch deutlich angenehmer war. Der Besitzer der Bar hatte uns noch von einem kleinen Platz zum Campen erzählt, welchen wir aber leider nicht finden konnten. Immerhin trafen wir auf die versprochene Wasserstelle und füllten dort unsere Flaschen auf.





Danach liefen wir noch ein paar Kilometer und ließen uns auf einer Wiese nieder. Dort bauten wir unsere Zelte auf und machten uns Abendessen, welches aus billigen Dosenravioli bestand, das wir aber mich Chilis, Baguette und Salami erweiterten. Später schliefen wir dann erschöpft in unseren Zelten ein.

Tag 69 – Navarrenx bis Aroue (25,7 km) – Donnerstag 07.09.2023
Um 7:30 Uhr standen wir heute auf, bauten unsere nassen Zelte ab und liefen dann wieder los. Bereits nach wenigen Kilometern kamen wir in Navarrenx an.


Dort hielten wir in einem Supermarkt an und kauften uns Sachen zum Frühstücken ein. Danach setzen wir uns auf eine Parkbank und verspeisten dort die zuvor gekauften Dinge.

Nach unserem ausgiebigen Frühstück, welches fast eine Stunde dauerte, liefen wir dann weiter durch die Stadt. Es kamen verschiedene historische Bauten und wir durchquerten ein schönes Tor.




Bald verließen wir die historische Stadt über eine Brücke und gingen wieder in weniger belebten Gebieten weiter. Zuvor machten wir aber noch ein typisches Touristen-Foto an den Toren der Stadt.


Zuerst ging durch kleinere Orte der Straße entlang und dann folgten lange Zeit Felder. Als wir nach einiger Zeit einen Fluss überquerten und es eine geeignete Stelle direkt am Fluss gab, machten wir dort eine kleine Pause. Nach kurzem Zögern entschlossen wir uns dazu ein Bad im Fluss zu nehmen. Da unsere Kleider noch immer schmutzig waren, gingen wir einfach mit unseren Kleidern am Körper ins sehr kalte Wasser. Obwohl das Wasser doch sehr kalt war, war es bei diesem Wetter doch eine angenehme Abkühlung und wir gingen nach unserem ersten Bad noch zwei weitere Male ins Wasser.

Nach dem Baden liefen wir dann weiter nach Aroue und durch die Hitze trockneten unsere nassen Kleider schnell.

In Aroue angekommen, gingen wir in eine Gite Communale. Dort konnten wir zu einem sehr geringen Preis unsere Zelte aufbauen, eine Dusche nehmen und unsere Kleider waschen. Danach gab uns der Mann der Herberge noch eine kleine Führung in der Stadt. Wir schauten uns die alte Kirche an und erhielten dazu einige interessante Informationen. Zum Beispiel wurde uns klar, dass wir mittlerweile im Baskenland angekommen war und die Leute hier in der Gegend sehr viel Wert darauf legen Teil des Baskenlands zu sein. Die Sprache hier in der Gegend ist also baskisch und sogar in den Schulen lernen die Schüler erst in weiterführenden Schulen Französisch. Hatte ich bisher das Baskenland doch lediglich mit Spanien in Verbindung gebracht, war es umso spannender diese Details zu erfahren.




Danach zeigte er uns noch die Sporthalle des kleinen Dorfes und erklärte uns das typische Spiel, welches hier in der Region gespielt wird. Dabei handelte es sich um eine aus Squash-ähnliche Sportart, welche aber mit zwei Personen und mit einem anderen Ball gespielt wird.
Als wir dann in die Unterkunft zurückkehrten, gab es dort auch schon Abendessen. Wir saßen dabei mit den anderen Pilgern der Unterkunft zusammen am Tisch und genossen das Essen. Da wir über den Tag doch sehr wenig getrunken hatten, leerten wir während dem Essen mehrere Liter Wasser.
Später schauten wir dann noch zusammen das Fußballspiel der französischen Nationalmannschaft gegen Irland. Als das Spiel fertig war, gingen wir in unsere Zelte und schliefen dort schnell ein.





